Wege aus der Wiederholung
Anonyme Wettbewerbsverfahren gelten als das wirksamste Instrument, um Baukultur und Chancengleichheit zu fördern. In der Praxis sehen sich gerade junge und kleinere Büros jedoch mit fast unüberwindbaren Hürden konfrontiert. Überladene Auslobungen und stetig steigende Detailanforderungen verlangen den Teilnehmenden immense Ressourcen ab. Starre Referenzkriterien begünstigen nur diejenigen, die bereits das gebaut haben, wofür man ein Planungsbüro sucht, und sorgen so für die stetige Wiederholung des Bestehenden.
Jonas Tratz erlebt diese Systemkrise aus allen Blickwinkeln: Als Partner von FAKT – Office for Architecture, als Fachpreisrichter und als ehemaliges Mitglied im Ausschuss „Wettbewerbe und Vergabe” der Architektenkammer Berlin. Um dem aufgeblähten Standard etwas entgegenzusetzen, fordert er ein unbürokratisches Gegenmodell. Dieses am Gebäudetyp E orientierte, schlanke Format soll den administrativen Aufwand drastisch reduzieren, Kommunen die Scheu vor Verfahren nehmen und den Raum für architektonisches Experimentieren zurückgewinnen. Im Gespräch spricht er über die Verknappungsfalle bei nicht-offenen Wettbewerben, das Potenzial kollaborativer Büro-Allianzen und die Notwendigkeit, Preisgerichte diverser und generationenübergreifender zu besetzen.
Das Gespräch mit Jonas Tratz führte Kerstin Kuhnekath von Audio Architekten.